Was Will Ich Nur? – Meine Top 5 Übungen

Gepostet Von Ben am 10. Mrz 2018 | Keine Kommentare


Wo anfangen, wenn ich aktuell nicht weiß, was ich will? Woher kommt die Unzufriedenheit in mir?

 

Das ist die Frage und mögliche Antworten können mit folgenden Techniken gefunden werden. Bei mir haben nur mehrere zusammen für das große Ganze geholfen. Es kann sich also lohnen, die Übungen zu kombinieren.

 

Einige davon sind etwas gewöhnungsbedürftig. Und nicht jede Übung muss für jeden hilfreich sein. Doch wenn Du den Weg bis hierher gefunden hast, liegt die Antwort auf die Frage „Was will ich nur?“ sicher nicht auf der Hand.

 

 

Die Herausforderung

 

Kennst Du das? Du überlegst tagelang, wie Du ein Problem lösen kannst, und kommst nicht weiter. Und dann redest Du mit jemandem darüber, und die andere Perspektive bringt die zündende Idee!?
Schön, wenn es Sachen sind, die man mit anderen Leuten bereden kann/will. Was aber, wenn irgendwie nicht die richtigen Gesprächspartner da sind? Manche Fragen möchte man ja auch lieber mit sich selbst ausmachen, oder will niemanden damit nerven. Wer allein nach Lösungen sucht, kommt sich oft vor, wie in einer Sackgasse oder alles dreht sich immer im Kreis.
Die Herausforderung ist dann, sich von den eingefahrenen Denkmustern zu lösen und anders an die Fragen heran zu gehen. Nicht sofort in Lösungen zu denken, nicht immer „mehr vom Gleichen“ zu machen.

 

Dabei helfen Methoden der Problemdefinition. Die Methoden helfen, sich von durchaus möglichen, aber spontanen Lösungen zu entfernen. Die besten Ideen kommen nämlich dann, wenn das Problem möglichst genau definiert werden konnte.
Das kann äußerst hilfreich und langfristig wirksamer sein, als „quick and dirty“ irgendwas zu verschlimmbessern, nicht einfach „Hauptsache anders“.

 

 

Tipp 1 – Die Problemdefinition

 

Wie zuvor schon beschrieben, ist es wichtig, sich von dem augenscheinlichen Problem zu lösen, es richtig zu verstehen, und erst dann nach Lösungen zu suchen.
Denn oftmals steckt etwas anderes dahinter, als man am Anfang denkt.
Wir Menschen sind oft gar nicht so komplex, wie es scheint. Unser Denken verhüllt oft die wahren Ursachen: Gefühle.

 

Die Ursachensuche ist wichtig. Siehe auch weiter unten: „Frage 5 mal Warum“! Es lohnt sich oft, zuerst vom oberflächlichen Problem zum Kern der Sache zu kommen. Und erst dann das Kernproblem zu prüfen. Denn nur wenn die Ursache bearbeitet wird, kann eine langfristige Lösung gefunden werden.

 

Also, folgende Fragetechnik kann Dir vielleicht mal anders helfen, ein Problem zu definieren und konkret zu beschreiben. Man kreist sozusagen in Gedanken drum herum und beantwortet die Fragen, wie sie zutreffend sind.

 

Wie lässt sich das Problem – möglichst eindeutig – benennen?
Wie lässt sich erklären, dass das Problem aufgetaucht ist?
Wie lässt sich das Problem aufrecht erhalten?
Was müsste man tun, um das Problem zu verstärken, zu verschlimmern?
Für wen ist es am meisten ein Problem, für wen nicht, oder weniger?
Wird das Problem aus unterschiedlichen Perspektiven anders bewertet (groß, klein, gar keins)?

 

Nun kannst Du die Antworten für eine oder mögliche Lösungen auswerten:

Lassen diese Unterschiede sich für eine mögliche Lösung nutzen?
Welche Lösungsansätze gab es schon?
Welche waren lösungsfördernd, welche problemfördernd?
Welche Schlüsse wurden daraus gezogen?

 

Ich gebe zu, das ist sehr gewöhnungsbedürftig, so lange „um den heißen Brei“ herum zu reden… Doch – Wie gesagt, die erste Idee, ein Problem zu lösen, muss nicht immer richtig sein.

 

 

Tipp 2 – Der Flughafen Rundum Check

 

Folgende Übung habe ich aus dem Buch Will It Fly?: How to Test Your Next Business Idea So You Don’t Waste Your Time and Money*- sie macht Spaß und hilft dabei, die Gedanken (und Wünsche) zu ordnen. Dauer circa 45 min bis 1 Stunde, je nachdem, wie schnell Du schreibst.

 

Stell Dir vor, Du spulst Dein Leben vor, sagen wir 5 Jahre in die Zukunft. Du bist hinter dem Sicherheits-Check am Flughafen, hast gerade noch eine Stunde Wartezeit bis zum Boarding, und triffst einen alten Freund. Ihr kommt ins Gespräch und er oder sie fragt Dich aus.

 

Weil Du vor 5 Jahren Dein Leben selbst in die Hand genommen hast, kannst Du nun sehr stolz berichten, wie es Dir geht!

 

Schreibe in ganzen Sätzen auf, wie es Dir für jeden Themenbereich geht (denk dran, Du schreibst darüber, wie es in 5 Jahren sein wird). Du kannst sagen: „Mein Leben ist wirklich super, weil…“

 

Die Themenbereiche sind:
(1) Familie und Freunde
(2) Beruflich
(3) Finanzen
(4) Gesundheit
(5) Freie Wahl (ich hab mein Hobby Musik genommen).

 

Damit das nicht zu sehr träumerisch bleibt kannst Du Dir nun überlegen, welche kleinen und einfachen Schritte Du kurzfristig umsetzen kannst, um diese Vision wahr werden zu lassen. Weiterhin macht es Sinn, die Übung für einen Zeitraum von einem Jahr nochmal zu wiederholen, falls die nächsten Schritte nicht so leicht zu erkennen sind.

 

 

 

Tipp 3 – Das Umkehrprinzip

 

Diese Übung hat mir sehr geholfen, weil mein Job eine große Rolle bei meiner Frage nach dem „Was will ich nur?“ gespielt hat. Sie hilft besonders gut, wenn man frustriert ist.

 

Es handelt sich hierbei um ein in drei Schritten aufgebautes Metaprinzip: das Umkehrprinzip.

 

Im ersten Schritt löst Du Deine Gedanken von dem eigentlichen Problem (=nicht zu wissen, was Du willst). Im zweiten Schritt näherst Du Dich dem Problem mit einer neu gefundenen Sichtweise wieder an. Im dritten Schritt sortierst Du die Ergebnisse sinnvoll. Diese kreative Technik wird im Übrigen sehr häufig in wissenschaftlichem oder erfinderischem Umfeld genutzt.

 

Vorweg zwei Hinweise: (1) Es ist etwas Disziplin notwendig und der Sinn der Sache erschließt sich in vollem Umfang gegen Ende der Aufgabe. (2) Es kann sehr befreiend und wirkungsvoll sein, das so zu machen, wie es nachfolgend beschrieben ist.

Also:
Schritt 1 – Mache Dir eine Tabelle mit drei Spalten. Es wird (sehr diszipliniert) in Schritt 1 ausschließlich die linke Spalte gefüllt. Und zwar so lange, bis Dir auch nach längerem Überlegen nichts mehr einfällt.  Du kannst Dir dafür auch mehrere Tage Zeit nehmen!
Schreibe nun als Überschrift für die linke Spalte: „Was ich nicht gerne tue, oder was ich hasse zu tun.“ Lass alles raus, von A bis Z, kotz Dich mal so richtig aus. Aaaahhhh das tut gut.

 

 

Schritt 2 – Bitte erst starten, wenn Du Schritt 1 sauber abgeschlossen hast.
Nimm nun die mittlere Spalte der Tabelle und schreibe als Überschrift „das Gegenteil“. Und jetzt schreibst Du – möglichst diszipliniert – zu jeder einzelnen Aussage das absolute Gegenteil auf. Das muss jetzt noch keinen Sinn ergeben.  Versuche nicht in Lösungen zu denken.  Nur ganz strikt umformulieren. Beispiel: Ich mag es nicht, immer am gleichen Arbeitsort zu arbeiten. – Gegenteil: Ich mag es, an wechselnden Arbeitsorten zu arbeiten. Usw.
Schritt 3: Mit dem Ergebnis von Schritt 2 kannst Du nun anfangen, ähnliche Sätze oder Inhalte in Gruppen zu sortieren usw., was auch immer Dir richtig erscheint. In Spalte 3 schreibst Du nun folgende Überschrift: „Was ich gerne mag, oder was ich liebe zu tun.“
Jetzt kannst Du überlegen und auch lösungsorientiert denken, was Du auf Basis dieser Erkenntnisse aufschreiben möchtest. Beachte bitte, dass Du jetzt noch keine endgültige Lösung daraus zimmern musst. Nutze das lieber als farbige (nicht rosa) Sonnenbrille, die Dir hilft, die Dinge etwas anders zu sehen. Lass das Ergebnis sacken und gib Dir etwas Zeit, nach Möglichkeiten zu schauen, wo viele Kriterien gleichzeitig zusammenkommen.

Diese Übung wird übrigens im Buch Reicher als die Geissens: Mit null Euro Startkapital in fünf Jahren zum Immobilien-Millionär (Bundle inkl. Hörbuch) Unternehmer Basics, Investment, woher Eigenkapital, Umgang mit Geld & Kontakten Kurs* aufgegriffen. Der Titel des Buches ist meiner Meinung nach etwas irreführend (kommt auf die Sichtweise an), denn der Wert des Inhalts ergibt sich für mich eher aus dem neu entstehenden Denkmustern, als in möglichem Reichtum. **Achtung!** Hier gibt es das Buch übrigens günstiger (quasi kostenlos). Schwere Empfehlung meinerseits! (Das Hörbuch ist auch sehr zu empfehlen, es lässt sich gut im Auto hören und ist cool gemacht!)

 

 

Tipp 4 – Der Lebenslauf Check

 

Der Lebenslauf Check ist auch eher geeignet für berufliche Fragen, oder an Wendepunkten im Leben. Wenn Du noch jünger bist, dann nutze eventuell Praktika und Ferienjobs als Grundlage.

 

Diese Übung hier stammt auch aus dem Buch Will It Fly?: How to Test Your Next Business Idea So You Don’t Waste Your Time and Money*- sie ist eher nüchtern, hilft aber dabei, herauszufinden, was Dir bisher gefallen hat und warum. Ich war so frei, sie etwas zu erweitern (Punkt 5 der Fragen und Schritt 3).

 

Dauer circa 30 min bis 1 Stunde, je nachdem, wie schnell Du schreibst und wie gut Dein Gedächtnis ist.

 

Schritt 1:
Nimm Dir Deinen Lebenslauf zur Hand und schreibe zu jeder Station, die Du bisher hattest, also auch für Ferienjobs, Praktika, etc. folgende Dinge auf:
(1) Welche Station betrachtest Du?
(2) Von wann bis wann?
(3) Welche (mind. 3) positiven Dinge lassen sich über diesen Lebensabschnitt sagen? Was hat Dir gefallen?
(4) Was war eher negativ daran, was hat Dir nicht gefallen (auch mind. 3)?
(5) Welche für Dich typische Eigenschaft hat Dir während dieser Zeit geholfen? (=Deine Stärken! Auch wenn Du es nicht als Stärken sehen würdest.)
(6) Welche ist Deine beste und liebste Erinnerung an diese Zeit?
(7) Vergib der Etappe eine Schulnote von 1-6.

 

Schritt 2:
Wenn Du alle Etappen überprüft hast, schreibe Dir die positiven und negativen Punkte noch einmal neutraler, ggf. als Tabelle, auf.
Stell Dir dabei die Fragen „Worauf kommt es mir an?“ und „Was mag ich eher nicht?“.

 

Schritt 3:
Dann unterstreiche die jeweils gewichtigsten Anforderungen für Dich.
Begründe sie schriftlich. Warum ist Dir das wichtig? Welches Gefühl verbindest Du damit?

Diese Übung rückt Deine bisherigen Erfahrungen in ein neues Licht und kann somit eine gute Ergänzung sein.

 

 

Tipp 5 – Frage 5 mal Warum

 

Manchmal ist es schwer, einem Problem auf den Grund zu gehen.
Es finden sich ziemlich schnell oberflächliche Antworten, naheliegende Lösungen. Und so lange das so ist, hat man die Grundursache (Root Cause) noch nicht aufgedeckt. Und löst somit nur Symptome statt Ursachen.

 

Die Sache ist die: fast alles lässt sich im Grunde auf zwei Gefühle zurückzuführen: Angst oder Liebe. Es ist jedoch oft nicht so offensichtlich, welches von beiden es ist. Mein Burnout hat mir gezeigt, dass selbst positive Dinge aus Angst gemacht werden können, statt aus Liebe. Und Angst ist ein mieser Ratgeber. Aber wie man so schön sagt: hinter der Angst liegt die Freiheit…

 

Was ist also Dein Antrieb???

Dabei kann Dir vielleicht diese Fragetechnik helfen: Solange Du auf Deine ANTWORTEN zur Frage „Warum“ – zum Beispiel „Warum ist mir das wichtig“ oder „warum will ich das…“ usw. – noch mit „Weil…“ antworten kannst, bist Du noch nicht am Kern der Sache angekommen. Formuliere also Deine Antworten so lange weiter um, bis keine Unklarheit mehr besteht.

 

Die Technik:
Du stellst Dir also die Frage „Warum…“ und beantwortest sie Dir (schriftlich).
Dann schaust Du Dir Deine Antwort an und stellst nochmal die Frage „Warum“ (ggf. etwas angepasst). Wahrscheinlich fällt Dir nach einigen Überlegungen eine Begründung ein. Schreib auf… – „Weil…“

 

Und so weiter – die Zahl 5x Warum soll nur aussagen, dass man es „oft genug“ machen soll. Es kann auch 3 oder 7 mal sein.

 

Ein Beispiel:
Lisa kommt neuerdings zu spät zur Arbeit. Das ist ungewöhnlich für sie.
Warum kommt Lisa zu spät?
Antwort: Sie hat verschlafen.
Naheliegende Lösung: Sie braucht einen besseren Wecker, mehr Disziplin, etc.

 

Warum hat sie verschlafen?
Antwort: sie war die ganze Nacht wach, konnte nicht schlafen.
Naheliegende Lösung: Sie sollte Baldrian zur Beruhigung nehmen.

 

Warum konnte sie nicht schlafen?
Antwort: Sie macht sich Sorgen.
Naheliegende Lösung: Sie soll sich zusammenreißen und nicht so viel nachdenken.

 

Warum macht sie sich Sorgen?
Antwort: Sie glaubt, ihr Job soll wegrationalisiert werden.
Naheliegende Lösung: Aber das stimmt doch gar nicht! Jede Menge Erklärungen und Bla Bla folgen.

 

Aber: Warum glaubt sie das?
Antwort: Weil Herr Müller an der Kaffeemaschine sowas gesagt hat.
Sinnvolle Lösung: Mit Herrn Müller klären, dass er so etwas nicht sagen soll, bzw. klarstellen, dass es keine solchen Pläne gibt.

 

Wie man in dem Beispiel sieht, sind die ersten vier Antworten nur Symptome und nicht die Ursache…

 

Zugegeben, so etwas allein zu lösen ist schon etwas crazy. Vielleicht hilft es ja, bei speziellen Problemen mit einem Freund dadurch zu gehen.

 

 

Dein Fazit?

 

Ich hoffe, diese Übungen konnten Dir ein wenig weiterhelfen bei der Suche nach Antworten. Natürlich freue ich mich über Feedback. Schreibe mir gern einen Kommentar!

 

Bildquelle: „Asymmetric Backyard“ von Werner Schwehm.

 

Werner bietet übrigens Fotoworkshops zu Architekturfotografie an. Mehr Infos per Email: Leipzig_Trifft_Wien@gmx.de !

 

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