Sinnerfüllt Leben: Kenne Deine Werte

Gepostet Von Ben am 1. Jul 2018 | Keine Kommentare


Hallo lieber Leser,

 

lange habe ich hier nichts mehr veröffentlicht. Und meine schöpferische Pause braucht auch noch etwas Zeit. Dennoch ist es mir ein Bedürfnis, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen. Denn das alles beschäftigt mich gerade sehr. – Ich will mehr davon tun, was mir gut tut!

Das habe ich in meiner Vergangenheit viel zu wenig getan. Ich hab es sogar völlig verdrängt. Und mittlerweile merke ich, dass das eine Ursache für meine innere Unruhe war oder ist: dass ich nicht das tun kann, was mir wichtig ist. Es ist also aktive Stressprävention, wenn ich meinen Alltag anders ordne und sinnerfüllt lebe, weil ich meine Werte kenne und entsprechend „bediene“.

 

Die Frage momentan ist: Kann ich „einfach so“ vor mich hinleben? Mal eine Weile ziellos einfach nur in den Tag hinein leben?

 

Ich bezweifle das stark, jedenfalls langfristig. Denn schon allein im Job muss ich täglich zielgerichtet arbeiten – dafür werde ich ja bezahlt. Auch privat braucht das Leben durchaus eine Richtung, Orientierung. Wie soll ich sonst „gute“ Entscheidungen treffen, wenn ich nicht weiß, welchen Einfluss das auf meine weitere Entwicklung haben wird? Und woher weiß ich denn, was mir wichtiger ist als andere Dinge?

 

Sicher ist nicht alles im Alltag „wegweisend“. Und nicht jede Handlung muss zielgerichtet sein. Eine unangemessene Verbissenheit im Leben sorgt immer für Stress und Frust, und sei es nur unterschwellig durch Verspannungen im Nacken…

 

Dass es keinen für alle Menschen passenden „Sinn des Lebens“ gibt, ist ja mittlerweile bekannt. Einen Lebenssinn wird man sicher nicht ständig präsent spüren. Ist es nicht eher so, dass wir eher sein Fehlen bemerken? Wenn wir für uns selbst keinen oder nicht ausreichenden Sinn mehr sehen? Und man schafft sich Sinn, indem man auf Dinge hinarbeitet, die eben wichtig sind.

 

Aktuell ist es mir extrem wichtig, Zeit zu haben für mich selbst, für Bewegung an der frischen Luft. Zeit für meinen Sohn, für Familie und Freunde. Für Sport und Musik. Zeit, das Leben zu spüren und zu genießen. Alles andere kann warten. Deshalb lasse ich es mal eine Weile schleifen. Es werden keine großen Ziele verfolgt (dieses Wort: „verfolgt“…) – Und so lebe ich tatsächlich so vor mich hin.

 

Das wiederum entspricht meinen Wertvorstellungen. Denn einige meiner Werte sind Natur, Stille, Erkenntnis und Sinn. Und diese Werte fordern derzeit ihre Priorität…

Was soll ich sagen, es geht mir sehr gut damit! – Damit das auch funktionieren kann, habe ich mich entschieden, in Teilzeit zu gehen. Ein wahrer Luxus, das ist mir bewusst. Und gleichzeitig wird dadurch das Geld knapp, so dass es mittel- bis langfristig dabei helfen wird, mich aus meiner Komfortzone zu holen… Und Zeitmangel ist dann keine gute Ausrede mehr…

Meine anderen Werte sind nämlich recht gegensätzlich dazu, so dass es bei mir Phasen gibt, in denen ich wie ein Irrer an Zielen arbeiten kann.

 

Und es ist mir wichtig zu teilen, was ich bisher erkannt habe. Dem entsprechend habe ich mal zusammengestellt, wie Du Dir selbst Orientierung geben kannst. Viel Spaß damit… 😉

 

 

Der Wertekompass

 

Wäre das nicht cool, so einen (kaputten) Kompass wie Jack Sparrow in Piraten der Karibik zu haben?
Der zeigt ja immer dahin, was er am meisten will, anstatt nach Norden.

Ganz so cool wird das hier leider nicht. Aber es kann sehr hilfreich sein, um bei der Frage weiterzukommen: wo anfangen? Woher weiß ich, was ich will? Umgedreht hilft es auch dabei, die eigenen Ziele auf ihre „Seelentauglichkeit“ zu überprüfen.

 

 

Baue Dir in 5 Schritten einen Wertekompass

 

Hier nun Möglichkeiten, wie man sich selbst auf strukturierte Weise einen solchen „Kompass“ bauen kann. Indem Du Dich damit beschäftigst, wirst Du Orientierung bekommen. Eine grobe Richtung. Dann ist es allerdings nötig, in diese Richtung loszulaufen und auf dem Weg immer wieder zu prüfen, ob das passt, oder ob kleine Korrekturen nötig sind.

 

Mit der Zeit kommen Störfaktoren hinzu, als wärst Du mit einem Segelboot unterwegs und der Wind dreht sich, oder starke Strömungen treiben Dich ab.

 

Ich möchte vorab sagen, dass diese Aufgabe nicht gerade in 5 Minuten zu erledigen ist. Das Beste ist, sich ein paar Tage (nebenher) Zeit zu nehmen und sich in Ruhe damit zu befassen. Es lohnt sich aber, das durchzuziehen! Das Ziel ist ja, das „beste Leben“ für sich selbst zu erzielen. Und das geht nur, wenn man seine Handlungen seinen Werten entsprechend ausrichtet.

 

Hier nun die konkreten Schritte

 

Schritt 1: Erstelle Dir eine persönliche Werteliste. Was ist Dir wirklich wichtig im Leben?

Dafür gibt es natürlich schon Vorlagen. Wenn Du bei Google „Werteliste“ eingibst, kommen mehrere gute Ergebnisse. Mir persönlich gefällt die Liste von www.nlp-spectrum.de gut, weil sie schön aufgeräumt ist.

Markiere oder schreibe Dir nun die Begriffe heraus, die zu Dir passen. Nicht lange überlegen, einfach sammeln.
Zum Ende hin könnten so um die 30 bis 40 Begriffe markiert sein. Weniger oder mehr geht auch, kein Problem!

 

Schritt 2: Schränke Deine Liste auf wenige Werte ein.

Das kannst Du in mehreren Etappen machen, z.B. immer ein paar mehr weg streichen. Von den oben im Beispiel genannten hunderten Wertebegriffen solltest Du nun möglichst unter 15 kommen. Viele Begriffe ähneln sich und stellen – für Dich – wahrscheinlich den selben Inhalt dar. Reduziere eventuell nochmals, bis Du auf 5-7 Werte kommst.

Alternativ, wenn wegstreichen sehr schwerfällt, kannst Du auch Gruppen aus Begriffen bilden, die zusammen gehören. Wenn Du die für Dich zusammengehörenden Wertebegriffe gruppiert hast, suche daraus die Wörter heraus, die diese Gruppen „zusammenfassen“ oder repräsentieren.  Als Überschriften sozusagen.

Zum Abschätzen für Dich: bis hierher habe ich rund 60 Minuten gebraucht, allerdings auf zwei Tage verteilt.

 

Schritt 3:

Nimm Dir etwas Zeit und formuliere in ganzen Sätzen, was Dir diese Werte bedeuten und wie sich das für Dich äußert.
Stell Dir die Fragen: Warum ist Dir das wichtig? Was genau ist es, was Dir daran wichtig ist? Was genau ist damit gemeint?

Ein Beispiel am Wert „Stille“:

Ich mag es, wenn es ruhig und leise ist. Idealerweise habe ich Zeit für mich allein. Ich kann so meine Akkus wieder aufladen und Kraft tanken. Hingegen mag ich laute Umgebungen und große Menschenmengen nicht so gern.

 

Schritt 4: Priorisiere Deine Werte.

Angenommen, Du hättest nur noch wenige Monate zu leben, welchen Wert würdest Du VOR ALLEN ANDEREN ausleben?
Falls es schwerfällt, kannst Du Dir überlegen, wie sähe es aus, die kommenden Monate diesem Wert entsprechend alles zu priorisieren?
Vergleiche diese Szenarien und spüre in Dich hinein, was Dir am Besten gefällt.

 

Schritt 5: der wichtigste… Richte Dein Leben neu aus!

Achtung – Keiner muss sein Leben lang die gleichen Werte und Prioritäten haben!
Reflektiere regelmäßig, ob das noch immer so ist. Zum Beispiel aller 6 Monate, oder jährlich. Dafür kannst Du die gleiche Übung machen. Es wird ja einfacher mit der Zeit. Bedenke: Deine Werte spiegeln Deine momentane Einschätzung der Wahrheit wider.

 

 

Wie nutzt man das nun?

 

Die identifizierten Werte sind eine Orientierungshilfe. Und sie werden sich immer mal ändern. Und es ist ok, sie zeitweise etwas flexibel zu sehen. Du hast ja Deine Werte priorisiert. Das Gleiche solltest Du nun mit Deinen Zielen tun. Wenn Du noch keine persönlichen Ziele ausformuliert hast, schreibe Dir einfach zu jedem Wert bzw. zu jeder Wertegruppe, die Du identifizierst hast, einige Dinge auf, die Du in Zukunft gern erreichen möchtest.

 

Überprüfe dann Deine Ziele hinsichtlich der Werte und ordne gegebenenfalls Deine Werte gemäß Deinen Zielen nochmal neu.

 

Ich bin überzeugt davon, dass zwischen Zielen und Werten ein Zusammenhang ist. Temporär kann das eben anders aussehen und liegt eventuell nicht so auf der Hand.

 

Wenn man es anders macht besteht die Gefahr, frustriert und genervt zu werden, weil immer irgendwas „fehlt“. Das musste ich auch sehr schmerzhaft lernen. Dummerweise steht all das auch immer irgendwo geschrieben. Man muss es nur finden und beherzigen!

 

 

Priorisieren

 

Das Wort „Priorität“ sagt vom Wortstamm her aus, dass es nur EINE Sache gibt, die man als die Wichtigste betrachtet.
Das lässt sich im Alltag nur schwer durchsetzen. Dennoch sollte merklich mehr Zeit und Energie auf die Priorität verwendet werden, als für andere Ziele. Wenn nun zum Beispiel „Gesundheit“ nicht an erster Stelle steht, dann heißt das ja nicht, sich nur noch von Tiefkühlpizza zu ernähren, weil es z.B. Zeit spart. Und spätestens seit Momo wissen wir ja, wohin uns das Zeitsparen führen wird.

 

Die Priorisierung bedeutet ja aber auch, dass man einen gewissen Preis zahlt. Die in der Liste weiter unten stehenden Werte bzw. Ziele werden wenig oder gar nicht bedient. Heißt das dann jetzt, dass man zum Beispiel niemals die Welt auf einem Segelschiff umrunden wird? Dass man niemals eine glückliche Beziehung führen wird? Natürlich nicht.

 

Deshalb ist dieses nochmalige Neuordnen so wichtig: Versuche herauszufinden, was aktuell für Dich ganz oben steht. Und der Rang zwei und drei der Liste bekommt ja auch eine ordentliche Portion Zeit und Energie ab. Wenn Du nun deine Werte- und Zielpriorität anpasst, können tatsächlich sehr krasse Ergebnisse – und Unterschiede – entstehen!

 

 

Einfach ausprobieren

 

Es hilft, sich einfach Zeit damit zu lassen. Probiere es einfach eine Weile aus, und bei Bedarf kannst Du es ja nochmal ändern.

 

Der Vorteil hierbei ist, dass Du einigermaßen flexibel zwischen den Top 3 Zielen / Werten wechseln kannst, während dennoch eins davon ganz oben steht. Falls Du also bei einem der 3 nicht weiter kommst, oder es läuft schon gut, dann ist Zeit für die anderen zwei.

 

Ich würde mich freuen, wenn Dir diese 5-Schritte-Methode geholfen hat. Und natürlich freue ich mich über Feedback!

 

Also dann, frohes Schaffen und alles Gute!

 

Bildquelle: „Walking in Circles“ von Werner Schwehm.

Werner bietet übrigens Fotoworkshops zur Architekturfotografie an. Mehr Infos gibt es per Email unter Leipzig_Trifft_Wien@gmx.de !

 

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